Erfolgreiche Nachzucht im Daueransatz mit V-Becken
Regelmäßig Jungfische, wer wünscht sich das nicht. Und manchmal fragt man sich, was man seinen Tieren antut, wenn
sie etwas verschreckt, frisch im klassischen Ansatz eingesetzt die Bodenscheibe durchbohren wollen. Die Lösung: Daueransatz im V-Becken!
V-Becken oder auch Keilbecken sind Becken, die zum Daueransatz von Zierfischen verwendet werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Elterntiere dauerhaft im
Ansatz belassen werden können. Die Jungtiere können in einem gesonderten Abteil heranwachsen ohne von den Eltern gefressen zu werden.
Zur Entstehung
1996 wurde der erste gemeinsame Fischkeller von Matthias Pfahler und mir in Betrieb genommen. Dabei berührten sich recht unterschiedliche aquaristische Welten.
Mein Schwerpunkt lag bei Schmerlen und kleinen Barben. Matthias züchtete eher Salmer und war bereits erfolgreich in Salmler- und Welszucht im klassischen Einzelansatz. Jeder hatte bisher für sich gearbeitet und
dabei so seinen eigenen Rhythmus entwickelt. Ich hielt trotz einer ganzen Reihe nagelneuer, leerer 50er Becken eine alte Glasbatterie für unabdingbar für die Zucht von Keilfleckbarben (Trigonostigma heteromorpha).
Matthias wunderte sich wie man Artemiaeier in die Ansatzflasche bekommt ohne hinterher Eier im Trichter kleben zu haben- man muß nur das Wasser nach den Eiern in den Trichter schütten.
Nach und nach haben wir neues ausprobiert. Stallknechts Buch aus dem Tetra Verlag: Alle Tag Jungfische haben wir intensiv studiert. Dort werden anschaulich
verschiedene Methoden für Dauer und Einzelansatz beschrieben. Besonders das System, Lebendgebärende über eine Art Trichter ablaichen zu lassen, hat uns nicht in Ruhe gelassen.
Meine besonderen Lieblinge, die kleinen Boraras-Arten schienen mir viel zu zart, um durch Einzelansätze gezogen zu werden. Es widerstrebte mir die Fische aus
ihrer gewohnten Umgebung herauszunehmen. Auch hatte ich gelegentlich Probleme Männchen und Weibchen sicher auseinander halten zu können. Die Fische unter sich waren hierbei wesentlich sicherer.
Erste Versuche gab es mit Regenbogenfische Melanotaenia praecox, der gerade frisch auf den Markt gekommen war. Da die Jungfische von Regenbogenfischen immer
dicht an der Wasseroberfläche schwimmen veränderten wir den Vorschlag von Stallknecht dahingehend, dass wir eine Scheibe quer zum Becken bis knapp unter die Wasseroberfläche klebten. Hinten waren die Elterntiere,
nach vorne wurde mittels Luftheber die Oberfläche abgesaugt. Das Prinzip hat funktioniert, wenn es auch nicht sehr ergiebig war. Ansätze mit Laichmopp können hier nachweislich mehr bewirken. Wahrscheinlich war das
vordere Abteil für die Jungfische auch noch etwas zu klein konzipiert. Da die Regenbogenfische für uns eher eine „Randwissenschaft“ darstellten, wurde weiter diskutiert. Aus der Überlegung heraus, dass unsere
kleinen Barben in den alten „Züchterkniffen“ auch nicht gerade als sehr ergiebig beschrieben wurden entstand die Idee zum heutigen V-Becken. Denn jeden Tag ein Ei und manchmal auch mal zwei war für den Einzelansatz
nicht gerade effizient, besonders wenn man bedenkt, dass die Tiere schon einige Zeit benötigten um sich in den Zuchtbecken einzuleben und sich wohl zu fühlen.
Funktionsweise
Wie funktioniert das V-Becken?
Ein 50er Becken wird mittels zwei Glasscheiben in ein vorderes und ein hinteres Abteil geteilt.Die beiden Glasscheiben treffen sich in der Mitte des Aquariums
und bilden so in der Aufsicht ein V. Die Spitze des Vs ist nicht ganz geschlossen, ein schmaler Spalt bietet gerade soviel Platz, dass eine Jungfisch hindurchpasst. Die Spitze des Vs weist ins Jungfischabteil, seine
sich öffnende Seite gehört zum Elterntierabteil. Die Filterung befindet sich im vorderen, Jungfischabteil, alles Wasser wird von dort aber wieder zu den Eltern gepumpt. So werden schon kleinste Larven, die noch
nicht einmal aufgeschwommen sind durch den stetigen Sog nach vorne gezogen.
Größe
Für die V-Becken haben sich Aquarien mit einer Kantenlänge von 50 bis 80 cm bewährt. Kleinere Becken führten nicht wirklich zum Erfolg.
Hierfür sind vermutlich mehrere Faktoren ausschlaggebend:
Zum einen fallen auf zu kleiner Fläche eher Eier elterlichem Laichraub zum Opfer, zum anderen sind die Daueransätze mit extrem weichen
Wasser schnell mit einem Spurenelementemangel für die Eltern verbunden, was zu wenig Jungfischen und unter Umständen mißgestalteten
Flossen führt. Auch wird der eigentliche Sinn des V-Beckens, den Elterntieren ein stressfreies Leben zu ermöglichen und genügend Lebensraum
für einen längeren Aufenthalt zu bieten unter einem Gesamtvolumen von 45 Litern nicht erfüllt.
Einrichtung
Alle V-Becken werden bei mir mit dunklem Kies als Bodengrund eingerichtet. Ich bin der Meinung dass sich das positiv auf die Wasserqualität
auswirkt. Gefiltert wurde anfänglich über Billy-Filter oder Maximalfilter, jetzt arbeiten wir mit auf einer Seitenscheibe quer eingeklebten
Mattenfiltern. Die Rückwärtige Schmalseite ist von außen mit schwarzem DcFix beklebt. Insgesamt ist alles nicht zu hell. Die Becken stehen
mit er Schmalseite, dem Jungfischabteil, nach vorne im Regal. So sind die Jungfische gut auszumachen. Die Elterntiere lassen sich auch noch durch die Trennscheiben gut beobachten.
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Auf den Kies kommt im Elternabteil eine gute Lage gewässerter (mit heißem Wasser überbrühter) Fasertorf. Darauf liegt Javamoos und je nach
Besatz zusätzlich Javafarn oder Anubias, z. B. für Trigonostigma somphongsi oder Sumatrafarn für Zwergringelhechtlinge. Das Jungfischabteil
bekommt in ersten Linie Javamoos. Dies dient den Jungfischen als Versteckmöglichkeit und bietet mit seinem Bewuchs auch erste Nahrung,
ebenso wie die Filterpatronen. Eine faustvoll Torfgranulat im Säckchen lassen den PH-Wert stabil im gewünschten unteren Bereich.
Bauformen/Optik
Die ersten Becken entstanden aus Standard 50er Becken, in die zusätzliche Glasscheiben eingeklebt wurden. Durch die Seitenstege können
die eingeklebten Scheiben die Beckenhöhe nicht voll ausnutzen. Dies führt immer wieder dazu, dass Elterntiere aus dem hinteren Abteil nach
vorne gelangen und dort die Jungfische auffressen. Um dies zu vermeiden sollte das optimale V-Becken nur einen Steg auf der rückwärtigen
Schmalseite besitzen. Die Deckscheibe liegt dort und mit etwas Übermaß auf der Frontscheibe auf. Kondenswasser läuft durch die entstehende
Schräge immer ins Becken zurück und man hat weniger Algen an der Deckscheibe. Die eingeklebten Trennscheiben können nun bis zur
Deckscheibe hochgezogen werden und verhindern ein Überspringen. Der Durchlass für den Filter kann vor dem Einkleben mit einem
Glasschneider herausgeschnitten werden und eventuelle Ritzen sind mit etwas Filterschaum abgedichtet.
Die Breite des Durchlassschlitzes definiert sich dadurch, dass nur Jungfische hindurch gelangen sollen. Sie wird beim Kleben geeigneter weise
durch einen Bierdeckel oder anderen passenden Abstandhalter über die gesamte Höhe fixiert, um eine gleichbleibende Schlitzbreite zu
gewährleisten. Der schlitz sollte unter 2mm breit sein. Ansonsten hat man die Elterntiere kleiner Borarasarten sehr schnell im Jungfischabteil, wenn sie noch recht jung sind.
Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage ob es unbedingt eine V-Form sein muss und in wieweit der Winkel des V nötig oder entbehrlich ist.
Optisch stellt das V schon einen massiven Eingriff dar. Eine Möglichkeit wäre es, dass die durchlässigen Scheiben gar nicht in V-Form, sondern
im 90 Gradwinkel zu den Längsscheiben stehen. Dies gilt es auszuprobieren. Der Grundgedanke vom V war auch der, dass größere Jungfische,
die die Scheibe auf und abschwimmen möglichst nicht gezielt durch den Schlitz wieder ins Elternabteil gelangen. Ich gehe davon aus, dass dies
für den Fisch schwieriger zu treffen ist als bei einem Schlitz in einer sonst ebenen Fläche.
Erfolg und Mißerfolg
Welche Arten sind geeignet? Erfolgreich nachgezogen wurden bisher:
- Boraras brigittae
- Boraras maculatus
- Boraras micros
- Danio sondhi
- Celechthithys margaritatus
- Hyphessobrycon amandae
- Odontocharacidium aphanes
- Rasbora vaterifloris
- Sundadanio axelrodi rot und blau
- Tyttocharax spec. Peru
- Nannostomus morthentaleri
- Trigonostigma somphongsi
- Orizias mekongensis
Versuchen mit Dario dario war bis auf wenige Jungfische kein Erfolg beschieden. Nannostomus espei und Rasbora dorsiocellata macrophtalma
haben sich auch nicht zu Nachzuchten hinreißen lassen.
Zuchtbedingungen
Ein 50er Becken ist nach meinem Dafürhalten die unterste Größe für einen Daueransatz. Der Ansatz von Paare bis hin zu 4 oder 5 Individuen ist
sinnvoll. Im eingerichteten und frisch besetzten Becken dauert es bei den meisten Arten ca. 14 Tage bis sich die ersten Jungfische zeigen.
Werden Infusorien im Jungfischabteil zugefüttert erhöht sich die Ausbeute beträchtlich. Die Jungfische sollten regelmäßig abgesammelt werden,
damit sie für die kleineren nicht zur Futterkonkurenz werden, bzw. Kannibalismus aufkommt. Ein Daueransatz kann durchaus ein halbes Jahr
sehr zufrieden stellend laufen. Lässt die Ausbeute nach, ist meistens der Torf ausgelaugt und der PH-Wert steigt kontinuierlich an. Für Boraras
-Arten darf er gern bis 4 fallen, aber über 6.5 kommen meist keine Jungfische mehr hoch. Für den Wasserwechsel sauge ich das Wasser über
einen Schwamm im Jungfischabteil an. Das zieht oft noch mal eine ordentlichen Schwung Jungfisch nach vorne. Aufgefüllt wird aus dem gleichen Grund über das Elternabteil.
Ist ein Ansatz nicht mehr produktiv, wird er geleert und gesäubert. Der Kies wird ausgewaschen, Torffasern und Torfgranulat gewechselt. Die
Pflanzen werden wieder verwendet. Ich achte sehr darauf, die Aquarien Schneckenfrei zu halten. Die Wasserpflanzen werden daher von Becken
zu Becken vermehrt um ja keine Schnecken einzuschleppen. Garnelen gegen Fadenalgen lassen sich leider nicht verwenden, sie vertragen die extremen Wasserwerte nicht.
Das Geschlechterverhältnis bei Boraras ließ sich über die Temperatur steuern. Niedrige Temperaturen ergeben mehr Weibchen, Temperaturen
ab 25 C° lassen überwiegend Männchen aufkommen.
Bei der Fütterung ist auf eine ausgewogenen Zusammensetzung zu achten. Extremes Weichwasser mit einer Leitfähigkeit von ca. 50 µS läßt
leicht Spurenelementemangel aufkommen. Dieser hat sich bei mir schon durch Kröpfe infolge von Jodmangel geäußert. Da der Torf im Wasser
ein starker Ionentauscher ist, macht eine Anreicherung des Wassers mit zugegebenen Spurenelementen keinen Sinn. Wo Jod fehlt mögen auch
andere Spurenelemente fehlen. Ich benutze daher für meine Artemia jodhaltiges Meersalz von Alnatura, mit dem ich die Kröpfe über die
Artemiafütterung erfolgreich behandeln konnte. Auch in diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf die meines Erachtens erforderliche Mindestgröße von 50er Becken hinweisen.
Aussichten
Das V-Becken hat sich auf festen Platz in der Aquaristik bis hin nach Thailand etabliert. Die Ausbeute ist nicht unbedingt dass, was ein guter
Salmlerzüchter im klassischen Einzelansatz hervorbringen kann. Dafür gelingen auch schwierige Arten wie der zornige Zwergpfeilsalmler
(Odontocharacidium aphanes) mit etwas Geduld. Es gibt keine verkrüppelten Jungfische, die Ausbeute ist kontinuierlich.
Über die Bauform darf gerne noch diskutiert und experimentiert werden. Eine Lösung die gleichzeitig ansprechendes Schaubecken und
Zuchtbecken ist, wäre ein erstrebenswertes Ziel.
Für alle Fische, die noch nicht so nachgezogen wurden und ins Raster passen, heißt es ausprobieren. Für alle Aquarianer, die es in dieser
Form noch nicht versucht haben kann ich nur raten:
Probieren Sie es einfach mal!
PS: Sie können fertige Keilbecken nach dem neuesten Stand der Technik incl. Filter, Luftheber und Abdeckscheibe direkt in
unserem Laden erwerben!
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